Montag, 2. November 2015

Fegefeuer

Bei Katharina ... wird das Fegefeuer nicht als Element der unterirdischen Welt dargestellt. Es ist kein äußeres, sondern ein inneres Feuer. Das ist das Fegefeuer: ein inneres Feuer. Die Heilige spricht vom Weg der Läuterung der Seele auf die volle Gemeinschaft mit Gott hin, ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung des tiefen Schmerzes aufgrund der begangenen Sünden angesichts der unendlichen Liebe Gottes (vgl. Vita mirabile, 171v). Wir haben vom Augenblick der Bekehrung gehört, wo Katharina plötzlich die Güte Gottes spürt, die unendliche Ferne des eigenen Lebens von dieser Güte und das brennende Feuer in ihrem Innern. Und das ist das läuternde Feuer, das innere Feuer des Fegefeuers. Auch hier befindet sich ein origineller Zug im Vergleich zum zeitgenössischen Denken. Denn es wird nicht mit dem Jenseits begonnen, um die Qualen des Fegefeuers zu beschreiben – wie es damals üblich war und vielleicht auch heute noch üblich ist –, um dann den Weg zur Läuterung oder Bekehrung aufzuzeigen, sondern unsere Heilige beginnt bei der eigenen inneren Erfahrung ihres Lebens auf dem Weg zur Ewigkeit. Die Seele – so Katharina – zeigt sich Gott noch gebunden an die Wünsche und die Qual, die aus der Sünde hervorgehen, und das macht es ihr unmöglich, die selige Gottesschau zu genießen. Katharina sagt, daß Gott so rein und heilig ist, daß die Seele, die mit den Makeln der Sünde behaftet ist, nicht in Gegenwart der göttlichen Majestät sein kann (vgl. Vita mirabile, 177r). Und auch wir spüren, wie fern wir davon sind, wie sehr wir von so vielen Dingen erfüllt sind, daß wir Gott nicht sehen können.  Die Seele weiß um die unendliche Liebe und die vollkommene Gerechtigkeit Gottes, und daher leidet sie darunter, nicht richtig und vollkommen auf diese Liebe geantwortet zu haben. Und die Liebe zu Gott wird selbst zur Flamme, die Liebe selbst läutert die Seele von den Schlacken der Sünde.

Quelle:


Samstag, 31. Oktober 2015

31. Oktober - Reformationstag


„Die wesentlichen Punkte der Reformation, die auch heute noch gemeinsamer Nenner der protestantischen Kirchen sind, werden oft mit dem vierfachen „Allein …“ ausgedrückt: Sola scriptura – allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die (nur mit der Autorität der Bischöfe oder des Papstes entstandene) Tradition (Galater 2, 6- 9). Solus Christus – allein Christus, nicht die Kirche, hat Autorität über Gläubige (Epheser 5, 23- 24). Sola gratia – allein durch die Gnade Gottes wird der glaubende Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun (Römer 1, 17). Sola fide – allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke (Galater 2, 16).“ (Internetfund)




Am Anfang war das Wort.
Richtig. Nur mit dem reformatorischen „sola scriptura“ („allein durch die Schrift“) hat das nichts zu tun, denn gemeint ist mit diesen Worten aus dem Johannesevangelium nicht die Bibel, sondern Christus, das menschgewordene Wort Gottes. Christus, der seinen Aposteln den Heiligen Geist versprochen hat, der sie in alle Wahrheit führen wird (Johannes 16,13). Christus, der in der Kirche als seinem Leib in dieser Welt weiterhin gegenwärtig ist (1. Korinther 12, 27) - der Kirche, von der es heißt, daß sie Fundament und Stützpfeiler der Wahrheit ist (1. Tim. 3,15). Am Anfang war das Wort - Christus - , der die junge Kirche nach ihrem ersten großen Konzil sprechen läßt: „Dem Heiligen Geist und uns hat es gefallen ...“(Apg. 15,28).
Christus gegen die Autorität der Kirche auszuspielen („solus Christus“), geht also nicht, weil wir Christus nicht ohne die Kirche haben.
Die Heilige Schrift gegen die Tradition der Kirche auszuspielen („sola scriptura“ geht nicht, weil der Heilige Geist die Kirche in alle Wahrheit leitet und in und durch die Kirche spricht. Und weil es die Kirche war, geleitet von ihrer Tradition, die entschieden hat, welche der Schriften (die aus der gelebten Glaubensüberlieferung/Tradition hervorgegangen sind) als Heilige Schrift zu gelten haben und welche nicht.
Ohne die Tradition hätten wir die Schrift nicht und ohne die Kirche können wir Christus nicht haben. Darum kann man nicht das eine gegen das andere ausspielen, indem man „solus“ - „allein“ (also das andere nicht) sagt. „Solus Christus“ und „solus scriptura“ sind als Behauptung genauso falsch, als würde man behaupten, „allein die Kirche und ihre Tradition (und nicht auch Christus und die Heilige Schrift) sind Autorität und bilden die Grundlage des Glaubens.

„Sola fide“ („allein durch den Glauben“) und „sola gratia“ („allein durch die Gnade“) sind in dieser verabsolutierenden Formel genau so falsch. Glaube ohne Werke ist tot, heißt es im Jakobusbrief (Jak. 2,17), den Luther, wen wundert's, gar nicht mochte und am liebsten aus der Heiligen Schrift verbannt hätte. Vielmehr heißt es: „So seht ihr nun, daß der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.“ (Jak. 2,2). Durch den Glauben ja, wie Paulus sagt (Römer 3,28), und das bedeutet, daß der Glaube an erster Stelle, am Anfang steht, aber nicht durch den Glauben „allein“, wie Luther sagt. Denn das war auch Paulus klar, daß aus dem Glauben Werke hervorgehen müssen, das ist selbstverständlich in den Evangelien, und Luther glaubte das ja auch – widersprach also selbst der reformatorischen „sola fide“-Verengung. Und „sola gratia“ („allein durch Gnade“)? Wird der Mensch allein aus Gottes Gnade gerettet? Nein! Wenn der Mensch nämlich nicht will, dann kann Gottes Gnade noch so groß sein, sie wird nichts nützen. Der Mensch, als Ebenbild Gottes in Freiheit und für die Freiheit erschaffen, hat von Gott die Freiheit „Ja“ oder „Nein“ zu sagen. Die Botschaft der Rettung im Glauben anzunehmen oder im Unglauben abzulehnen. So muß der Glaube und das „Ja“ des Menschen zur Gnade Gottes - die natürlich schon lange vor mir da ist – zuammenkommen. Wie natürlich auch das angestrengte Bemühen (Phil. 2,12), meine Mitarbeit, mein Leben lang dazukommen muß, damit ich am Ende Rettung finde.
Auch hier also: „Sola fide“ und „sola gratia“ sind in ihrer Einseitigkeit genau so falsch, wie es der Satz wäre: „Allein durch unsere angestrengten guten Werke finden wir bei Gott Rechtfertigung und Rettung“.

Manche fügen noch ein fünftes „solus“ an: „soli Deo gloria“ („Allein Gott die Ehre“). Auch das wiederum darf nicht absolut gesetzt werden. Denn schon in den 10 Geboten werden wir aufgefordert, Vater und Mutter zu ehren und Paulus sagt sogar: „Ehre wem Ehre gebührt“ (Römer 13,7; hier meint er im engen Sinn die Obrigkeit). Daher kann und muß gelten: „Vor allem, über allem, in allem und für alles gilt Gott die Ehre!“ Das heißt aber nicht, daß wir nicht auch Menschen ehren und verehren dürfen – wie etwa ganz besonders die Heiligen, unsere Vorbilder, Fürsprecher und Fürbitter vor Gott, die mit uns Leib Christi sind, die mit uns beten und auch für uns (wie selbst Luther am Anfang noch zugeben kann).


In diesem Sinne: frohen Reformationstag denen, die ihn begehen.

Freitag, 30. Oktober 2015

Interesting article: Why I am not Orthodox

This article is very interesting. Though he goes too far - in my opinion - when he states: "I now regard commitment to any institutionalised form of religion, Christian or otherwise, as incompatible with the pursuit of truth and wisdom." But what he says about his problems with the Orthodox Church is very worth pondering. I like the first and the fourth point he makes most, this coincides with my experience. The second and third point I cannot agree fully with. I don't believe that the Church is meant to be an absolute democratically institution (a family isn't neither), there is the need for "Fathers",  for "Shepherds".  And concerning his third point I would say: maybe there is an "over-indulging in liturgical practices", but precisely the rituals make the orthodox worship special and create an divine and holy atmosphere that attracts people.
I wish my greek orthodox friends here in Frankfurt/Germany would read an consider this. But I fear he is right when he says: "Centuries-old institutions like the Orthodox Church are too heavily invested in power and prestige to allow for genuine challenges to their beliefs and practices. "

Here is the link to this article: Why I am not Orthodox

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Reformationsjubiläum

Oha!  ;-)

Wenn Protestanten eins nicht vertragen, ist das Kritik an ihrem Protestantismus.

„wink“-Emoticon

CHRIST IN DER GEGENWART ist eine unabhängige, reformorientierte, ökumenische Wochenzeitschrift für religiöses Leben, moderne christliche Spiritualität, Meditation, Religion, Kultur, Kunst, Wissenschaft, Gesellschaft, Politik, Kirche, Theologie.
CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DE

St Rafael Arnáiz Barón

Love this saint - and love this story.

I have been reading a German translation of the writings of the 20th century Spanish Trappist, St Rafael Arnáiz Barón. There is no English translation of his writings, but here is a very rough tran...
SANCRUCENSIS.WORDPRESS.COM

Heiliger Rafael Arnáiz Baron

Wunderbare Doku über den Heiligen Rafael Arnáiz Baron (1911 - 1938; Trappist, Mystiker).

Dokumentarfilmporträt der Ordensfrau Schwester Ingrid Mohr, die als "deutsche Stimme des seligen Bruders Rafael" gilt, eines spanischen Mystikers (1911-1938),…
WWW.ZDF.DE|VON ZWEITES DEUTSCHES FERNSEHEN (ZDF)

Donnerstag, 23. April 2015

Jesus Christus, unser Bruder und Herr ?

In unseren Gottesdiensten ist es üblich, daß außer dem Vaterunser alle Gebetstexte der Liturgie umformuliert werden. So auch die Standartendungen der Gebete: aus "... durch Christus, unsern Herrn." wird "... durch Christus, unsern Bruder und Herrn. Und das durchweg. Sonntag für Sonntag, Gebet für Gebet. Selbst der Satz nach der Verkündigung des Evangeliums wird umgewandelt zu "Evangelium unseres Herrn und Bruders Jesus Christus".
Nun mag das sehr fromm und auch bibeltreu klingen. Hat Christus sich nicht total "entäußert" (Philipper 2), erniedrigt bis in die tiefsten Tiefen, um uns als Mensch gleich zu werden? Ist das "Wort" nicht "Fleisch geworden" (Johannes 1) und hat "unter uns gezeltet"? Und nennt Christus seine Jünger, die, die seinen Willen tun, nicht seine Brüder/Schwestern/Mutter (Markus 3 und Parallelen) oder Freunde (Johannes 15)? Nennt der Auferstandene die Jünger nicht seine Brüder (in der Begegnung mit Maria Magdalena, Johannes 20)? Und bezeichnet nicht der Apostel Paulus Christus als den "Erstgeborenen unter vielen Brüdern" (Römer 8)? Interessanterweise spricht Paulus aber in Römer 8 von Christus als dem Kyrios, dem Herrn, was ein Gottestitel ist. Da beendet er seinen Gedankengang mit einer liturgischen Formel, die abschließt mit den Worten "Christus, Jesus ... unserem Herrn.". Und auch in den Evangelien wird Jesus von den Menschen allgemein und auch von den Jüngern im Besonderen in der Regel angeredet mit "(mein) Meister" oder "(mein) Herr",  oder gar mit "mein Herr und mein Gott." Und wenn von ihm die Rede ist, dann auch meist als von dem "Herrn" und nicht als von "unserm Bruder/unserm Freund".  Wenn ich nichts übersehe, wird Christus im Neuen Testament niemals angeredet mit "(mein oder unser) Bruder/Freund". Offensichtlich ist die biblische Antwort auf die Bezeichnung der Jünger als Brüder und Freunde nicht, ihn nun wiederum als Bruder und Freund zu bezeichnen und anzureden.Aus der Sicht Christi sind wir, so wir denn seinen Willen tun, seine Brüder, oder seine Freunde.  Aus unserer Sicht aber ist er immer "Herr" und "Gott". Auch wenn die Menschwerdung für Christus Entäußerung und Erniedrigung bedeutet, und wir dadurch zu seinen Brüdern/Schwestern/Freunden werden, so ist diese Erniedrigung Christi für uns aber eine Erhebung sondergleichen.  Und die läßt uns erschaudern, weil wir darin seine wahre unausschöpfliche Größe erkennen. Und so wagen wir nicht, ihn Bruder oder Freund zu nennen. Mit den Aposteln können wir nur auf die Knie fallen, und ihm bekennend zurufen: "Mein Herr und mein Gott".Und: Weil er uns Brüder/Schwestern/Freunde nennt, dürfen wir nun auch mit ihm gemeinsam zu Gott "unser Vater" sagen. Oder, wie es in der Liturgie so schön heißt, wir können es wagen, so zu sprechen. 

(Ich verdanke diese Einsichten Hans Urs von Balthasar. In seinen Meditationen zum Credo schreibt er: "Wenn er uns als Auferstandener seine "Brüder" nennt, so liegt darin eine solche Ehrung, daß wir, die Bezeichnung empfangend, erst recht mit Thomas bekennen: 'Mein Herr und mein Gott'. Gerade weil er sich so tief herabläßt, uns die Füße zu waschen, gerade weil er dem Unglauben entgegenkommt und seine Wunden betasten läßt. Überlassen wir die Anrede 'Großer Bruder' dem Antichristen Orwells oder Solowjews." Aber dann auch: "Er will, daß wir neben ihm stehend und gemeinsam mit ihm das "Vater-unser" sagen. ... Er will in uns vor dem Vater stehen, ja in uns im Vater sein. Er will, daß wir, die problematischen Geschöpfe, in ihm als 'neuer Himmel und neue Erde' in das inwendige Leben der göttlichen Liebe eingehen."
Hans Urs von Balthasar, Credo, Meditationen zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, Herder, 1990, S. 35f.)